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ServiceNow AI Platform: Sandbox-Lücke im Praxischeck

Von Christopher Schütz · 2026-09-03 · 10 Min. Lesezeit
Eine aktuelle Meldung von heise Security zeigt: Selbst gut abgeschottete KI-Umgebungen sind nicht automatisch sicher. Die ServiceNow AI Platform, ein weit verbreitetes System zur Automatisierung von Geschäftsprozessen, weist eine Schwachstelle auf, durch die Angreifer aus einer eigentlich isolierten Sandbox ausbrechen können. Für Unternehmen, die zunehmend KI-Funktionen in ihre Kernsysteme integrieren, ist das ein Weckruf.

Worum es bei der Meldung geht

ServiceNow ist eine der bekanntesten Plattformen für IT-Service-Management und Geschäftsprozessautomatisierung. Viele Unternehmen nutzen sie, um Support-Tickets, interne Workflows oder Freigabeprozesse zu steuern. In den letzten Jahren hat ServiceNow seine Plattform um KI-Funktionen erweitert, die sogenannte AI Platform, mit der sich Prozesse automatisieren und optimieren lassen. Solche KI-Erweiterungen führen häufig eigenen Code aus, etwa um Skripte zu generieren, Daten zu verarbeiten oder externe Dienste anzusprechen. Damit das sicher passiert, laufen solche Ausführungen normalerweise in einer Sandbox, also einer abgeschotteten Umgebung, die verhindern soll, dass Code auf andere Bereiche des Systems zugreift.

Genau an dieser Stelle liegt laut der Meldung das Problem: Die ServiceNow AI Platform ist verwundbar, und Angreifer können aus dieser Sandbox ausbrechen. Das bedeutet im Kern, dass eine Schutzmaßnahme, auf die sich Betreiber verlassen, nicht zuverlässig funktioniert. Details zur genauen Angriffstechnik oder betroffenen Versionen liefert die kurze Zusammenfassung nicht, aber schon die Grundaussage reicht aus, um das Risiko einzuordnen: Eine Sandbox, aus der man ausbrechen kann, ist im schlimmsten Fall keine Sandbox mehr.

Warum eine Sandbox überhaupt existiert und was ein Ausbruch bedeutet

Um die Tragweite zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wofür eine Sandbox eigentlich gedacht ist. Wenn eine Plattform wie ServiceNow KI-Funktionen anbietet, die automatisch Code generieren oder ausführen, muss sichergestellt sein, dass dieser Code keinen Schaden anrichten kann, selbst wenn er fehlerhaft ist oder absichtlich manipuliert wurde. Die Sandbox ist die technische Grenze, die diesen Code von den eigentlichen Unternehmensdaten, den Zugriffsrechten anderer Nutzer und den restlichen Systemfunktionen trennt.

Kann ein Angreifer aus dieser Sandbox ausbrechen, fällt genau diese Trennung weg. Je nach Konfiguration und Rechtevergabe könnte das bedeuten, dass jemand Zugriff auf Daten erhält, die eigentlich nicht für ihn bestimmt sind, dass er Aktionen im System ausführen kann, die über seine eigentlichen Berechtigungen hinausgehen, oder dass er sich weiter im System ausbreitet. Bei einer Plattform, die Geschäftsprozesse steuert und oft mit sensiblen Daten wie Kundendaten, internen Freigaben oder HR-Vorgängen arbeitet, ist das kein theoretisches Problem, sondern eine sehr konkrete Gefahr für Vertraulichkeit und Integrität der Daten.

Warum das gerade jetzt relevant ist

KI-Funktionen in Geschäftsplattformen sind kein Nischenthema mehr. Viele Unternehmen, auch im Mittelstand, setzen mittlerweile auf Automatisierungsplattformen, die KI-Komponenten enthalten, sei es zur Textgenerierung, zur Klassifizierung von Anfragen oder zur automatisierten Bearbeitung von Vorgängen. Diese Funktionen versprechen Effizienzgewinne, bringen aber auch neue Angriffsflächen mit sich, die viele IT-Abteilungen noch nicht vollständig im Blick haben.

Der Fall zeigt exemplarisch ein Muster, das in den kommenden Jahren wohl häufiger auftreten wird: Anbieter bauen KI-Funktionen schnell in bestehende Plattformen ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei entstehen neue Komponenten wie Sandboxes für die Codeausführung, die selbst wieder Angriffsfläche bieten. Wer als Unternehmen solche Plattformen nutzt, verlässt sich in der Regel vollständig auf die Sicherheitsarchitektur des Anbieters, hat aber selbst kaum Einblick in die internen Schutzmechanismen. Das macht ein zügiges Patch-Management und eine wache Beobachtung von Sicherheitsmeldungen umso wichtiger.

Die konkreten Risiken für Unternehmen, die ServiceNow einsetzen

Wer ServiceNow oder vergleichbare Plattformen mit KI-Erweiterungen im Einsatz hat, sollte sich über mehrere mögliche Konsequenzen im Klaren sein. Erstens der Zugriff auf sensible Daten: ServiceNow verarbeitet häufig Tickets mit internen Informationen, teils auch personenbezogene Daten von Mitarbeitenden oder Kunden. Ein Ausbruch aus der Sandbox könnte solche Daten offenlegen.

Zweitens die Manipulation von Geschäftsprozessen: Da die Plattform Workflows und Freigaben automatisiert, könnte ein Angriff nicht nur Daten stehlen, sondern auch Prozesse verändern, etwa Freigaben manipulieren oder Abläufe stören. Drittens die Reputations- und Haftungsfrage: Gerade wenn personenbezogene Daten betroffen sind, geraten Unternehmen schnell in den Bereich der Meldepflichten nach der Datenschutz-Grundverordnung. Und viertens, mit Blick auf regulatorische Pflichten, die im Rahmen von NIS2 auf immer mehr Unternehmen zukommen: Wer als wichtige oder wesentliche Einrichtung eingestuft ist, muss Schwachstellen in eingesetzten IT-Diensten dokumentieren und angemessen reagieren, siehe dazu unser Beitrag zu NIS2 & IT-Sicherheit.

Wichtig ist dabei: Auch wenn ServiceNow selbst als Cloud-Dienst betrieben wird und die technische Behebung beim Anbieter liegt, bleibt die Verantwortung für die eigene IT-Sicherheit letztlich beim nutzenden Unternehmen. Wer sich blind auf "der Anbieter kümmert sich schon darum" verlässt, unterschätzt oft, wie lange es dauert, bis Patches wirklich überall greifen und wie wichtig eigene Kontrollmechanismen währenddessen sind.

Was ein KMU aus so einer Meldung lernen sollte

Für ein kleines oder mittleres Unternehmen ist die eigentliche Lehre aus so einer Meldung nicht "wir müssen sofort ServiceNow abschalten", sondern ein grundsätzliches Verständnis dafür, wie mit Schwachstellenmeldungen bei eingesetzter Software umzugehen ist. Viele Mittelständler nutzen SaaS-Plattformen genau deshalb, weil sie sich um Betrieb und Wartung nicht selbst kümmern wollen. Das ist grundsätzlich sinnvoll, entbindet aber nicht von der Pflicht, Sicherheitsmeldungen zu verfolgen und zu bewerten, ob und wie stark man selbst betroffen ist.

Ein zentraler Punkt: Wer nicht genau weiß, welche Systeme im eigenen Unternehmen KI-gestützte Automatisierung nutzen und welche Daten dort verarbeitet werden, kann Risiken wie dieses gar nicht richtig einschätzen. Eine aktuelle Bestandsaufnahme der eingesetzten Cloud- und SaaS-Dienste, verbunden mit einer Einschätzung, welche davon sensible Daten verarbeiten, ist die Grundlage für jede vernünftige Reaktion auf solche Meldungen. Genau das ist ein typischer Baustein eines Website-Audit oder einer breiter angelegten IT-Sicherheitsprüfung, bei der nicht nur die eigene Website, sondern auch angebundene Dienste und deren Konfiguration betrachtet werden.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Konkret sollten Unternehmen, die ServiceNow oder ähnliche Plattformen mit KI-Funktionen nutzen, jetzt einige Schritte durchgehen.

Erstens: Prüfen, ob die eigene ServiceNow-Instanz die AI Platform aktiv nutzt und ob bereits ein Sicherheitsupdate des Anbieters verfügbar ist. Wer eigene Administratoren hat, sollte den Patch-Status direkt kontrollieren, wer die Plattform über einen Dienstleister betreibt, sollte dort gezielt nachfragen und sich den Status schriftlich bestätigen lassen.

Zweitens: Die Rechtevergabe innerhalb der Plattform überprüfen. Wer Zugriff auf welche Daten und Funktionen hat, sollte nach dem Prinzip der minimalen Rechtevergabe geregelt sein. Das begrenzt den Schaden, selbst wenn eine Schwachstelle ausgenutzt wird.

Drittens: Ein grundsätzliches Monitoring etablieren, das auffällige Aktivitäten in Geschäftsanwendungen erkennt, etwa ungewöhnliche Datenabflüsse oder Zugriffe außerhalb der normalen Nutzungszeiten. Unternehmen, die dafür keine eigene Kapazität haben, sollten über eine externe Überwachung nachdenken, wie sie im Rahmen von IT-Sicherheit-Dienstleistungen angeboten wird.

Viertens: Einen klaren Prozess für den Umgang mit Sicherheitsmeldungen zu Software-as-a-Service-Anwendungen einführen. Das bedeutet nicht, jede Meldung sofort mit einer Krisensitzung zu beantworten, sondern eine feste Verantwortlichkeit zu haben, die solche Meldungen sichtet, bewertet und bei Bedarf eskaliert.

Fünftens: Backup- und Wiederherstellungsstrategien nicht nur für lokale Systeme, sondern auch für Cloud-Dienste mitdenken. Wer im Ernstfall schnell reagieren muss, profitiert von etablierten Prozessen zur Datenrettung und einer klaren Vorstellung davon, welche Daten überhaupt wo liegen.

Sechstens, und das betrifft vor allem Unternehmen, die selbst gehostete Systeme oder eigene Infrastruktur mit angebundenen KI-Komponenten betreiben: Regelmäßige Wartung und Überwachung der eigenen Server sind kein Selbstläufer. Wer seine Infrastruktur nicht selbst rund um die Uhr im Blick haben kann, sollte über Managed Hosting nachdenken, bei dem Patch-Management und Sicherheitsüberwachung Teil der Dienstleistung sind.

Und schließlich, gerade für Unternehmen in der Region: Wer sich unsicher ist, wie stark man von so einer Meldung betroffen ist, oder generell Unterstützung bei der laufenden Absicherung der eigenen IT-Landschaft braucht, findet mit IT-Service Friesland einen lokalen Ansprechpartner, der auch kurzfristig unterstützen kann, wenn Rückfragen oder Handlungsbedarf entstehen.

Der größere Zusammenhang: KI-Funktionen in Business-Software richtig einschätzen

Diese Meldung ist letztlich ein weiteres Beispiel dafür, dass KI-Funktionen in etablierter Business-Software nicht automatisch sicherer sind, nur weil sie in eine vermeintlich robuste Plattform eingebettet sind. Sandboxes, Berechtigungskonzepte und Isolationsmechanismen sind selbst komplexer Code und damit potenziell fehleranfällig. Je mehr Funktionen ein Anbieter in kurzer Zeit hinzufügt, desto größer wird tendenziell die Angriffsfläche.

Für Unternehmen bedeutet das nicht, KI-gestützte Automatisierung grundsätzlich zu meiden, denn die Effizienzgewinne sind real und der Wettbewerbsdruck macht den Verzicht oft unrealistisch. Es bedeutet aber, KI-Funktionen in Geschäftsanwendungen mit derselben Sorgfalt zu behandeln wie jede andere kritische Software-Komponente auch: mit klarem Überblick über den Einsatz, konsequentem Patch-Management, sinnvoller Rechtevergabe und einem Plan für den Fall, dass eine Schwachstelle bekannt wird. Wer diese Grundlagen nicht selbst abdecken kann, sollte sich frühzeitig externe Unterstützung holen, statt im Ernstfall unter Zeitdruck zu reagieren.

Häufige Fragen

Ist meine ServiceNow-Instanz automatisch betroffen?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, da es auf die genutzten Funktionen und den Patch-Status ankommt. Wer die AI Platform aktiv einsetzt, sollte den Status beim eigenen Administrator oder Dienstleister gezielt abfragen und sich den aktuellen Patch-Stand bestätigen lassen.

Muss ich als Kunde selbst etwas patchen?

Bei einer Cloud-Plattform wie ServiceNow liegt die technische Behebung meist beim Anbieter selbst. Trotzdem sollten Unternehmen aktiv nachfragen, ob und wann ein Update eingespielt wurde, statt sich blind darauf zu verlassen, dass es automatisch passiert.

Welche Daten sind bei so einer Schwachstelle im schlimmsten Fall gefährdet?

Das hängt stark davon ab, welche Daten in der jeweiligen Instanz verarbeitet werden, typischerweise können das interne Tickets, Kundendaten oder personenbezogene Informationen von Mitarbeitenden sein. Genau deshalb ist eine klare Übersicht darüber, welche Daten in welchem System liegen, so wichtig für die Risikoeinschätzung.

Betrifft mich das auch als NIS2-pflichtiges Unternehmen?

Wenn Ihr Unternehmen unter die NIS2-Regelungen fällt, gehört die Bewertung und Dokumentation solcher Schwachstellen in eingesetzten IT-Diensten zu den Pflichten. Mehr dazu und wie man das strukturiert angeht, finden Sie unter NIS2 & IT-Sicherheit.

Was kann ich präventiv tun, wenn ich nicht genau weiß, wo überall KI-Funktionen im Einsatz sind?

Eine strukturierte Bestandsaufnahme der eingesetzten Cloud- und SaaS-Dienste ist der erste Schritt, idealerweise verbunden mit einer Einschätzung, welche Dienste sensible Daten verarbeiten und wie kritisch sie für den Geschäftsbetrieb sind. Ein Website-Audit oder eine vergleichbare IT-Sicherheitsprüfung schafft hier Klarheit als Grundlage für weitere Maßnahmen.

Sollte ich KI-Funktionen in Geschäftssoftware jetzt generell meiden?

Nein, ein genereller Verzicht ist meist weder notwendig noch praktikabel, da die Effizienzvorteile real sind. Wichtiger ist ein bewusster Umgang: klare Rechtevergabe, aktives Verfolgen von Sicherheitsmeldungen und ein Plan, wie im Ernstfall reagiert wird.

Quellen

Weiterführende Leistungen & Ratgeber

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