IT-News

Synology-NAS: Sicherheitslücke ermöglichte Datenklau

Von Christopher Schütz · 2026-09-20 · 10 Min. Lesezeit
In der IT-Sicherheit gibt es Meldungen, die man als Unternehmer schnell überliest, weil „Hersteller schließt Sicherheitslücken" fast im Wochentakt passiert. Der aktuelle Fall bei Synology verdient trotzdem einen zweiten Blick: Angreifer konnten gleich auf drei unterschiedlichen Wegen beliebige Daten von Synology-NAS-Systemen auslesen. Für viele mittelständische Betriebe, die genau solche Geräte als zentrale Datenablage nutzen, ist das ein guter Anlass, das eigene Patch- und Backup-Verhalten grundsätzlich zu überprüfen.

Drei Lücken, ein Patch: Was Synology jetzt behebt

Laut Bericht von heise Security hat Synology einen Patch veröffentlicht, der gleich mehrere Schwachstellen schließt. Auf drei verschiedenen Wegen war es Angreifern möglich, Daten von den Netzwerkspeichern des Herstellers auszulesen. Zusätzlich behebt der Hersteller mit demselben Update auch einige weniger dringende Lücken, die zwar nicht unmittelbar kritisch sind, aber ebenfalls Angriffsfläche bieten.

Details zu den genauen technischen Mechanismen sind an dieser Stelle zweitrangig, denn sie ändern sich mit jedem Patch-Zyklus. Entscheidend ist das Muster dahinter: Ein Gerät, das viele Unternehmen als selbstverständlichen, fast unsichtbaren Teil ihrer IT-Infrastruktur betrachten, war über mehrere Angriffspfade gleichzeitig verwundbar. Das ist kein Einzelfall bei Synology, sondern eine Erinnerung daran, dass jedes vernetzte Gerät im Unternehmen kontinuierliche Pflege braucht, nicht nur bei der Installation.

Warum NAS-Systeme für Angreifer so attraktiv sind

Ein NAS-System, also ein Network Attached Storage, ist im Kern ein kleiner Server, der rund um die Uhr läuft, oft direkt am Internet hängt oder zumindest von außen erreichbar gemacht wird, etwa für den Fernzugriff von Mitarbeitenden im Homeoffice. Genau diese Kombination macht solche Geräte für Angreifer interessant: Sie sind dauerhaft online, laufen häufig monatelang ohne Neustart und werden im Alltag selten aktiv überwacht.

Bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen läuft die NAS quasi im „Set and forget"-Modus. Sie wurde einmal eingerichtet, ein paar Freigaben angelegt, vielleicht ein automatisches Backup konfiguriert, und danach fasst sie niemand mehr an, solange sie funktioniert. Genau das ist aus Sicherheitssicht das Problem. Firmware-Updates werden übersehen, weil niemand explizit dafür zuständig ist. Es gibt keine IT-Abteilung, die routinemäßig Patchstände prüft, sondern oft eine einzelne Person, die „auch noch die IT macht", neben dem eigentlichen Tagesgeschäft.

Hinzu kommt: Synology-Geräte sind im deutschen Mittelstand extrem verbreitet, gerade in Handwerksbetrieben, kleinen Kanzleien, Agenturen und Handelsunternehmen, die eine unkomplizierte, bezahlbare Lösung für zentrale Dateiablage suchen. Diese Verbreitung macht die Geräte für Angreifer zu einem lohnenden Ziel, denn eine einmal gefundene Schwachstelle lässt sich massenhaft automatisiert ausnutzen, sobald sie öffentlich bekannt ist und Systeme ungepatcht bleiben.

Was konkret auf dem Spiel steht

Wenn ein Angreifer beliebige Daten von einer NAS auslesen kann, ist das selten ein isoliertes Problem. Auf solchen Systemen liegen in der Praxis genau die Daten, deren Verlust am meisten wehtut: Kundendateien, Vertragsunterlagen, Buchhaltungsexporte, Mitarbeiterdaten, interne Kalkulationen, manchmal auch Zugangsdaten zu anderen Systemen, die in Konfigurationsdateien oder Skripten gespeichert wurden. Wer Zugriff auf diese Daten bekommt, hat oft nicht nur ein Datenschutzproblem im Sinne der DSGVO, sondern auch einen direkten Ansatzpunkt für weitere Angriffe, etwa gezielte Phishing-Mails an Geschäftspartner oder den Diebstahl geistigen Eigentums.

Für Unternehmen, die der NIS2-Richtlinie unterliegen oder sich freiwillig an vergleichbaren Standards orientieren, kommt noch eine formale Dimension dazu: Ein solcher Vorfall muss dokumentiert, bewertet und unter Umständen gemeldet werden. Wer sich noch nicht mit den Anforderungen von NIS2 & IT-Sicherheit auseinandergesetzt hat, sollte spätestens jetzt einen Blick darauf werfen, welche Pflichten sich daraus für das eigene Unternehmen ergeben, unabhängig davon, ob eine Synology-NAS im Einsatz ist oder nicht.

Ein weiterer Punkt wird gern unterschätzt: Reputationsschaden. Wenn bekannt wird, dass Kundendaten über eine ungepatchte NAS abgeflossen sind, ist das kein rein technisches Thema mehr, sondern ein Vertrauensproblem gegenüber genau den Geschäftspartnern, mit denen man langfristig zusammenarbeiten möchte.

Die Krux mit dem Patch-Management

Der eigentliche Kern der Meldung ist nicht die spezifische Lücke, sondern die Aufforderung „Jetzt aktualisieren". Genau hier liegt in der Praxis das größte Problem im Mittelstand. Updates für Server, NAS-Systeme oder Netzwerkgeräte werden oft aus Angst vor Ausfällen verschoben. Man will die Produktion nicht stören, den laufenden Betrieb nicht gefährden, oder es fehlt schlicht ein klarer Prozess, wer wann welches System aktualisiert.

Genau das ist der Grund, warum Patch-Management heute zu den Grundpfeilern jeder ernsthaften IT-Sicherheitsstrategie gehört. Es reicht nicht, einmal im Jahr alle Geräte durchzuschauen. Kritische Sicherheitsupdates müssen zeitnah eingespielt werden, idealerweise automatisiert oder zumindest mit einem festen, regelmäßigen Rhythmus, der nicht von der aktuellen Arbeitsbelastung abhängt. Wer diese Aufgabe nicht intern abbilden kann, sollte sie auslagern. Ein durchdachtes Konzept für IT-Sicherheit beinhaltet genau diesen Baustein: die kontinuierliche Überwachung und Aktualisierung aller Systeme, nicht nur der offensichtlichen wie Firewall oder Antivirus, sondern auch der scheinbar unauffälligen Geräte wie einer NAS im Serverraum.

Ein praktischer Tipp für alle, die Synology-Geräte im Einsatz haben: Die Update-Benachrichtigungen im DSM, der Verwaltungsoberfläche von Synology, sollten aktiv eingesehen werden, nicht nur wenn ohnehin gerade jemand am Gerät arbeitet. Wo möglich, lohnt sich die Aktivierung automatischer Sicherheitsupdates, damit kritische Patches nicht erst Wochen nach Veröffentlichung installiert werden.

Backups: Die zweite Verteidigungslinie

So wichtig zeitnahes Patchen ist, es ersetzt keine funktionierende Backup-Strategie. Denn selbst das beste Patch-Management schützt nicht vor jedem Angriff, gerade wenn eine Lücke ausgenutzt wird, bevor der Hersteller überhaupt einen Patch veröffentlicht hat. Wer regelmäßig prüft, ob die eigenen Backups tatsächlich funktionieren und im Ernstfall wiederherstellbar sind, hat die entscheidende Rückversicherung, falls doch einmal etwas schiefgeht.

Hier zeigt sich in der Praxis ein häufiger Fehler: Backups werden eingerichtet und danach nie wieder getestet. Ob die Sicherung tatsächlich vollständig läuft, ob sie sich wiederherstellen lässt und ob sie vom Produktivsystem getrennt liegt, damit ein Angriff nicht gleich beide Kopien der Daten betrifft, wird selten überprüft. Gerade bei NAS-Systemen, die häufig sowohl als Produktivspeicher als auch als Backup-Ziel für andere Geräte dienen, ist diese Trennung besonders wichtig. Wer merkt, dass die eigene Backup-Strategie lückenhaft ist oder im Ernstfall schon einmal Daten verloren hat, findet bei Datenrettung Unterstützung, um im Notfall so viel wie möglich zu retten. Besser ist es natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Ein sinnvoller Ansatz für kleinere Unternehmen, die selbst keine eigene, redundante Infrastruktur betreiben wollen, ist der Umstieg auf professionell betreutes Managed Hosting. Dort übernimmt ein spezialisierter Dienstleister die laufende Überwachung, das Patchen und die Backup-Kontrolle, statt dass diese Aufgaben nebenbei von jemandem im Betrieb miterledigt werden, der eigentlich andere Prioritäten hat.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Die konkrete Meldung zu Synology ist letztlich nur der Anlass, das grundsätzliche Thema ernst zu nehmen. Für Unternehmen, die eine NAS oder vergleichbare Netzwerkspeicher im Einsatz haben, ergeben sich daraus einige klare, sofort umsetzbare Schritte.

Erstens: Prüfen Sie umgehend, ob Ihr Synology-System auf dem aktuellen Stand ist. Melden Sie sich in der DSM-Oberfläche an und schauen Sie unter den Systemaktualisierungen nach, ob das entsprechende Update bereits eingespielt wurde. Wenn nicht, sollte das zeitnah nachgeholt werden, idealerweise außerhalb der Kernarbeitszeit, um mögliche kurze Ausfälle abzufedern.

Zweitens: Machen Sie eine Bestandsaufnahme aller Geräte im Netzwerk, die von außen erreichbar sind oder dauerhaft laufen, nicht nur Server und Firewalls, sondern auch NAS-Systeme, Router, Drucker mit Netzwerkanschluss und smarte Gebäudetechnik. Für jedes dieser Geräte sollte klar sein, wer für Updates verantwortlich ist und in welchem Rhythmus sie kontrolliert werden.

Drittens: Überprüfen Sie, ob Ihr Fernzugriff auf die NAS wirklich notwendig ist und, falls ja, ob er ausreichend abgesichert ist, etwa über eine Zwei-Faktor-Authentifizierung statt eines einfachen Passworts. Wer den Fernzugriff nicht selbst betreuen möchte, kann diese Aufgabe über eine professionelle Fernwartung absichern lassen, statt improvisierte Portfreigaben einzurichten, die dauerhaft ein Einfallstor bleiben.

Viertens: Testen Sie Ihre Backups aktiv, mindestens einmal im Quartal, indem Sie stichprobenartig Dateien wiederherstellen. Ein Backup, das nie getestet wurde, ist im Ernstfall oft eine böse Überraschung.

Fünftens: Wenn Sie unsicher sind, wie es um die IT-Sicherheit Ihres Unternehmens insgesamt bestellt ist, lohnt sich ein strukturierter Blick von außen. Ein Website-Audit deckt zwar primär Schwachstellen im Webauftritt auf, ist aber häufig der erste Baustein, um überhaupt ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie viele digitale Berührungspunkte ein Unternehmen tatsächlich hat und wo überall Handlungsbedarf besteht.

Sechstens: Wer in der Region Friesland und Umgebung ansässig ist und diese Themen nicht allein stemmen möchte, findet über IT-Service Friesland einen lokalen Ansprechpartner, der Patch-Management, Backup-Kontrolle und Netzwerksicherheit als laufende Dienstleistung übernimmt, statt dass diese Aufgaben zwischen Tagesgeschäft und Feierabend untergehen.

Der eigentliche Punkt hinter all diesen Empfehlungen ist simpel: IT-Sicherheit ist kein einmaliges Projekt, das man abhakt und dann vergisst. Sie ist ein laufender Prozess, der genauso zur Betriebsführung gehört wie die jährliche Inventur oder die Wartung der Heizungsanlage. Ein Patch für eine NAS klingt nach einer Kleinigkeit, aber die Konsequenzen eines übersehenen Updates können ein Unternehmen wochenlang beschäftigen, finanziell wie organisatorisch.

Häufige Fragen

Woher weiß ich, ob meine Synology-NAS betroffen ist?

Melden Sie sich in der DSM-Verwaltungsoberfläche Ihres Geräts an und prüfen Sie unter den Systemaktualisierungen den aktuellen Patchstand. Ist das aktuelle Sicherheitsupdate noch nicht installiert, sollten Sie es zeitnah einspielen. Im Zweifel hilft ein Blick in die Update-Historie oder die Rücksprache mit einem IT-Dienstleister.

Reicht es, das Update einmal einzuspielen, oder muss ich regelmäßig aktiv werden?

Ein einzelnes Update behebt nur die aktuell bekannten Lücken. Sicherheitsprobleme werden fortlaufend entdeckt, deshalb braucht es einen dauerhaften Prozess für Patch-Management, nicht eine einmalige Aktion. Automatische Update-Funktionen und ein fester Kontrollrhythmus helfen dabei, das Thema nicht wieder aus den Augen zu verlieren.

Was, wenn ich vermute, dass bereits Daten abgeflossen sind?

In diesem Fall sollten Sie zunächst das betroffene System vom Netz trennen, um weiteren Zugriff zu verhindern, und anschließend genau dokumentieren, welche Daten möglicherweise betroffen sind. Je nach Art der Daten kann eine Meldepflicht nach der DSGVO oder, bei entsprechend regulierten Unternehmen, nach NIS2 bestehen. Eine fachkundige Einschätzung durch einen IT-Sicherheitsdienstleister ist in solchen Fällen sehr zu empfehlen.

Warum ist gerade eine NAS ein beliebtes Angriffsziel?

NAS-Systeme laufen praktisch durchgehend, sind oft von außen erreichbar und werden im Alltag selten aktiv überwacht, anders als klassische Server, um die sich meist eine dedizierte IT-Abteilung kümmert. Diese Kombination aus dauerhafter Erreichbarkeit und geringer Aufmerksamkeit macht sie für Angreifer besonders attraktiv.

Muss ich als kleines Unternehmen wirklich eine eigene IT-Sicherheitsstrategie haben?

Ja, auch kleine Unternehmen sind ein lohnendes Ziel, gerade weil sie oft weniger geschützt sind als große Konzerne. Eine Strategie muss nicht aufwendig sein, aber sie sollte klare Zuständigkeiten für Updates, Backups und Zugriffsrechte festlegen, idealerweise unterstützt durch einen externen Partner, wenn keine eigene IT-Abteilung vorhanden ist.

Ersetzt ein gutes Backup das Einspielen von Sicherheitsupdates?

Nein. Ein Backup hilft im Ernstfall, Daten wiederherzustellen, verhindert aber nicht, dass Angreifer überhaupt erst Zugriff erhalten oder Daten unbemerkt abfließen. Beide Maßnahmen ergänzen sich und sollten gleichermaßen ernst genommen werden.

Quellen

Weiterführende Leistungen & Ratgeber

IT-Sicherheits-Fahrplan 2026 NIS2 & IT-Sicherheit Alle Ratgeber & News

Sie möchten wissen, ob eine dieser Lücken Ihre Systeme betrifft? Wir prüfen Ihre IT und richten ein passendes Schutzkonzept ein. Fordern Sie einen Sicherheits-Check an oder rufen Sie direkt an: +49 1556 7039821.